Suchreichweite (praktischer Ansatz) – Mondphasen diesmal mit Einfluss
Teil 2 von 3: Im ersten Teil dieser Mini-Serie haben wir uns dem theoretischen Ansatz von Suchreichweite genähert und den “Sichtbarkeitsindex” zweier Tools gegenübergestellt für eine noch unbekannte Website, die sich seit Anfang des Jahres esoterischer SEO-Hilfe bedient. Heute folgen zwei Tools, die dem praktischen Ansatz der Suchreichweite darstellen wollen.
Die Tools, deren Reichweite-Kurven wir heute vergleichen wollen bedienen sich entgegen Sistrix oder Xovi einer anderen Basis. Beim Alexa-Rank und bei dem Ende Februar von Uwe Tippmann vorgestellten SEO DIVER steht man auf dem Standpunkt, dass es wenig Sinn macht ein starres (bzw wachsendes – aber eben nicht dynamisches) Set an Keywords gegen Google zu werfen und die Top-100 Serps als Grundlage der Berechnung zu nehmen – viel mehr geht es hier darum den echten Menschen mit einzubeziehen.
Dabei befragt der neue SEO-Diver ein aussagekräftiges und breit gefächertes Panel an echten Usern und “notiert sich” alle Rankings, die sie diese tatsächlich in den Google-Serps ansehen. Innerhalb der betrachteten Ergebnisseiten werden die Keywords aber wieder anhand ihrer Position gewichtet.
Wichtig zu erfahren ist einfach, dass eine Webseite nur dann Punkte bekommt, wenn sie auf einer von den Ergebnisseiten steht, die der User tatsächlich auffruft. In der Regel bekommt somit eine Seite, die für eine Suchphrase auf Seite 3, 4 oder 5 rankt sehr häufig keinen Reichweiten-Punkt mehr. Bei at-mix.de gibt es eine weitere Erklärung der effektiven Suchreichweite.
Alexa kann auf dieselben Daten zurückgreifen und nutzt diese auch um zu zeigen was die wichtigsten Suchbegriffe für eine Webseite sind – allerdings werden in den Alexarank diese nicht mit einbezogen – hier zählt der tatsächliche Besuch einer Webseite – dabei ist es egal, ob die Webseite aus den Google-Suchergebnissen heraus, über einen anderen Verweis oder sogar direkt angesurft wurde. Jeder Besuch eines Users, der die Alexa-Toolbar oder ein anderes Tool auf dem Rechner installiert hat, das den Alexa-Rank anzeigt, wird gezählt.
Um für die Graphen eine vergleichbare Kurve zu haben, nutzen wir für den Graphen nicht den tatsächlichen Alexa-Rank, sondern den prozentualen Wert der Erreichbarkeit, was einer Reichweite am nächsten kommt.
Diese Suchreichweite (bzw bei Alexa: Reichweite)-Kurven zeigen die Tools SEO-Diver und Alexa für unsere Problem-Domain für die vergangenen Monate an:

Diese beiden Kurven der Reichweite von SEO-Diver und Alexa gehen entgegen der beiden Kurven der Tools mit den festen Keywordsets ganz stark auseinander.
Dies kann an zweierlei Gründen liegen:
Die nette Version – der Diver nutzt tatsächlich nur die Suchreichweite, also die Sichtbarkeit der Domain in den Suchergebnissen echter User. Dagegen misst Alexa die Besucherzahlen echter User – also auch von Usern, die nicht die Suchmaschine bemüht haben. Demnach hätte unsere Problemdomain also eine treue Fangemeinde, die auch ohne Google zur Seite kommen.
Die nicht so nette Version liegt in einer bekannten Kritik an Alexa. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Verbreitung der Alexa-Toolbar in Deutschland vor allem unter den internetaffinen Powerusern (Webmaster, SEOs, …) zu finden ist. Das würde bedeuten, dass die für unsere Problemdomain verantwortlichen, zu Rate gezogene Webworker und Konkurrenten der Seite den Verlauf der Alexa-Kurve geprägt haben – entgegen den Rankingverlusten, die schon mit Sistrix und Xovi zu sehen waren. Eine Lange Version der Kritik in einem aktuellen Beitrag bei Seibert Media Alexa-Rank: Ein wertloses Aushängeschild.
Die Diver-Suchreichweite-Kurve dagegen zeigt, dass die Sichtbarkeit in den Suchmaschinen sich entgegen den Prognosen der Tools mit dem theoretischen Suchreichweite-Konzept noch nicht verbessert hat.
Doch auch hierfür könnte es eine Erklärung geben, die auf die Eigenheiten des praktischen Konzeptes zurückgeht: Keywords, die einfach nicht aktiv gesucht werden geben auch keine Punkte – selbst wenn sie gut ranken würden.
Dies würde der Interpretation aus der vergangenen Woche entgegenkommen. Somit würden wahrscheinlich die oft gesuchten Shorthead-Keywords noch nicht in dem Maße ranken, dass sie einen Ausschlag im Diver verursachen können und die Longtail-Keywords, die eine kaum spürbare Erholung im Sistrix-Rank und eine vermeintliche Erholung im Xovi-Rank verursachen werden einfach nicht gesucht von den Usern des Panels.
Doch ist das wirklich die Erklärung? Wir beschäftigen uns in Kürze im dritten Teil der Serie damit und sehen uns die Google-Analytics-Kurve zu de Seite im Vergleich mit den Graphen der vier Tools an.
Und schon wieder sind die Mondphasen zwischen die Kurven gerutscht. Können sie uns heute etwas sagen? Nunja: In 2009 zeigen sowohl die Alexa- als auch die SEO-Diver-Kurve zu Vollmond Tiefpunkte und zu Neumond Höhepunkte an.
Zufall? So gerne ich eine esoterische Interpretation hineinlegen würde möchte ich sagen: Ja! Zufall! Denn in 2010 sieht es genau umgekehrt aus – zumindest beim SEO-Diver. Die Alexa-Kurve folgt weiterhin dem Muster.
Vielleicht hat der Mond in diesem Fall ja weniger einen Einfluss auf die Suchreichweite der Webseite als auf das Verhalten der Alexa-User. Dies würde wieder bedeuten, dass wenn die beiden Kurven hier auseinander gehen, dass die Direkt-Surfer also aktiver waren, womit wir wieder bei der Kritik an Alexa angelangt wären. Hier mal ein weiterer kritischer Alexa-Bericht: Mit einfachen Mitteln künstlich den Alexa-Rank steigern..
Trackback
Guten Morgen,
wie immer ein interessanter Bericht. Seo Diver kannte ich noch gar nicht.
Xovi teste ich zur Zeit. Vom Ansatz her ein gutes Tool. Allerdings ist die Keydatenbank für meinen Geschmack noch etwas zu klein aber die wird sicher demnächst noch wachsen.
Zu Alexa kann ich sagen, dass diese Toolbar wie Du ja schon in deinem Bericht geschrieben hast nur internetaffine Poweruser nutzen. Ich habe letztes Jahr im Sommer eine Umfrage meiner Kunden (Durchschnittsalter 52 Jahre) gemacht und von 100 Befragten Kunden haben nur 3 diese Toolbar benutzt und der Rest kannte Alexa nicht. Kann in anderen Branchen selbstverständlich anders aussehen aber für mich persönlich ist Alexa zur Zeit noch kein Richtwert.
Hi Dani, Jürgen hat einen recht interessanten Testbericht zu Xovi veröffentlicht (http://www.madayo.de/xovi-neuer-stern-am-seo-software-himmel.html)
Was dieser Test zeigt, ist, dass Xovi im Mittelfeld liegt was die Anzahl der Keywords in der Datenbank angeht.
Zusätzlich handelt es sich natürlich hier nur um die Grunddatenbank. Zusätzlich besteht ja bei Xovi die Möglichkeit eigene Keywords hinzuzufügen, damit man seinen Bereich perfekt abdecken kann und somit alle Keywords überwachen die für einen wichtig sind.
Grundsätzlich denke ich aber das die Anzahl bei allen Tools völlig ausreichend sind, um professionell damit zu arbeiten. Irgendwann werden die Keys sonst weniger wertvoll.
Also ich finds echt nervig, dass Alex in jedem Blogpost über SEO-Tools einen Kommentar + Link zu seinem Zeug abläd. Merkt er nicht, dass das kontraproduktiv ist?